Weiter gehts es mit meiner Woche bei Jan und Steve. Zwei alte Menschen, die einfach unglaublich zum gern haben sind.
Ich hab mich also am Sonntag von der Nina verabschiedet und bin Richtung Kerikeri gehitchhiked. Dort aufm Farmer Market hab ich dann Jan, meine liebe Gastmama, getroffen. Bzw. ich bin auf den Markt gegangen und bin durchgegangen und hab nach einem Stand ausschau gehalten, der Asparagus verkauft. So wars zumindenst ausgemacht, dass Jan Asparagus verkauft und ich somit weiß wer sie ist. Nunja. Ich halte also ausschau und höre ein leises "Lenny!" links neben mir und sehe sie. Jan. Eine kleine alte Frau mit weißen Haaren, die sie über ihrem Kopf zu sonem Palmenstamm zusammengebunden hat. Woher ich wusste dass sie es ist? vermutlich weil sie meinen Namen gesagt hat. Aber ich merke auch irgendwie, da is einfach dieses gewisse etwas, dass Host und Wwoofer sich finden und wenn sie sich finden, dann wissen sie, dass sie sich gesucht haben. Aufjedenfall haben Jan und ich uns gefunden. Sie hatte allerdings nurnoch ne kleine Ananas vor sich liegen und Orangen. Nichts von Asparagus, aber nunja. WIe ich später erfahren hab, hat sie den schon ausverkauft. Weil der Markt noch bisschen war und sie meine Hilfe nicht gebraucht hat, meinte sie ich soll mein Zeug bei ihr ins Auto werfen und dann über den Markt schauen und mir alles angucken. Habich auch gemacht, bin sogar bisschen mehr abseits gegangen zur Kerikeri-Library um abzuchecken obs da Internet gibt. Yup, gabs, aber nich am Wochenende.
Schliesslich bin ich wieder zurück und bin mit Jan einkaufen gefahren und dann zurück zu ihrer Farm. Oder eher: Ihrem Haus mit Gewächshaus für Ananas und einem kleinen Feld für Asparagus. Ach was nenn ich das immer so. Ein kleines Feld für Spargel. Richtig Farmmäßig sah das nich aus, aber einfach richtig... ach charmant, liebevoll, man fühlt sich einfach willkommen.
Es war Mittag und Jan dachte sich, dass ich sicher nich am selben Tag noch arbeiten will, also haben wir uns zusammen auf die Terasse gesetzt, Tee getrunken und geredet und schliesslich hat jeder ein Buch rausgepackt und hat gelesen. Bis hin zur Arbeitsstunde. Ach das war einfach herrlich. Mit schöner Umgebung in der Sonne sitzen und einfach mal lesen. War echt total entspannend. Und ja, ich war der einzige Wwoofer da auf der Farm. Am Anfang war ich eher "HMPF". Ich hab eigentlich extra nur Farmen kontaktiert, die auch mehrere Leute aufnehmen, weil ich nich alleine mit der Farmfamilie sein wollte, aber im nachhinein war es einfach sehr entspannt und ich hatte viel Zeit einfach für mich. Was ganz angenehm war nach einer überfüllten Audrey Farm. Gegen 6 Uhr kamen dann Steve und Fred. Ich dachte erst Fred wäre Steve, weil Fred auch eher alt und klein war und man sich ja so denkt, dass die meisten Ehepaare äußerlich ja auch zusammengehören. Aber nunja, dem war nicht so. Fred war ein 80 jähriger Mann, der mit Steve öfters mal segeln geht und die beiden sind einfach befreundet. Und Steve... ja Steve is glaubich mitte Ende 50, total frisch und fit, groß, muskulös und nicht direkt jemand, den man Jan zugeschrieben hätte. Aber man sollte ja eh nicht nach dem äußerlichen gehen. Ich hab also nett mit Jan, Steve und Fred zu abendgegessen und Bier getrunken. Und zwar Freds gebrautes Bier. Und des war echt nicht zu verachten. Anscheinend ist das auch ziemlich üblich hier das eigene Bier zu brauen, weils billiger ist und einfach einfach. Und vermutlich, weil das selbstgebraute Bier auch tatsächlich Alkohol hat und nicht nur 4%.
Ich hatte im Haus ein eigenes Zimmer und hatte somit auchmal die Erfahrung wie es ist mit dem Host im selben Haus zu wohnen. War aber wie gesagt total entspannt und total relaxed. Insgesamt, rückblickend, würd ich die Woche bei Jan und Steve eher als Urlaub bezeichnen von einem vollen Farm- und Reiseleben. Ich hab ungefähr von 9 bis 1 gearbeitet, mit einer Stunde (oder mehr) Kaffee-Pause. Und die Arbeit war meistens das Spargelfeld weeden oder alte Ananaspflanzen auf den Kompost bringen. Aber insgesamt eher so lauter kleine richtig nette Arbeiten, mir war nich langweilig und dadurch, dass man nur draußen und in der prallen Sonne gearbeitet hat, wars teilweise auch gut anstrengend. Wenn ich auf der Farm gearbeitet hab, hab ich meistens mit Jan zusammengearbeitet und ich muss sagen, das taugt mir viel mehr als nur alleine zu arbeiten. Wenn man mit dem Host zusammenarbeitet bekommt man nochmal ne ganz andere Verbindung zu der Farm und den Menschen als wenn man nur arbeitet und essen bekommt, wie bei der lieben Audrey. In der Kaffeepause hat mir Jan dann meistens irgendwas über die Natur oder ihr Leben erzählt, ich persönlich hab nicht wirklich viel geredet.
Hierzu eine Sache zu Jan: Sie ist unglaublich nett, liebevoll und ne sehr angenehme Person. Einzig trauriges, sie is extrem vergesslich. Nicht nur, dass sie vergisst wo sie Dinge hingelegt hat, das is ja ein allgemeines Problem der Menschheit, sondern sie vergisst auch die Namen von Alltagsgegenständen, wie z.b. Ofen. Es war in keinster Weise anstrengend oder nervend für mich, es war eher traurig mitzuerleben wie das Gedächtnis oder das Gehirn einen Menschen langsam im Stich lässt. Absolut nicht schön...
An meinem ersten "Arbeitstag", am Montag, war ich allerdings mit Steve unterwegs. Was er arbeitet? Ums plump auszudrücken, er ist Müllmann. Holt Müll von Personen ab und bringt sie zur Recyclingstation und recycled dort. Kann man sich allerdings nich so vorstellen wie bei uns wo die Müllabfuhr kommt. Er hatte n kleines Auto mit Lagefläche hintendran - ich weiß grad nich wie man die nennt - und darauf Mülltonnen wo er dann den Müll der anderen Leute reinsortiert hat. Und ich durfte mit ihm mitfahren am Montag :)
Und ich fands wirklich cool :D also das mal zu machen, den Müll anderer abzuholen, im Müll rumzukramen, rumzurecyclen, das falsch recyclete rauszufischen und in den Richtigen Sack zu werfen. Und das is teilweise wirklich eine Profession für sich. Natürlich ist es in gewisser Weise einfacher als wenn man jetzt Arzt ist oder sowas, aber es ist auch nicht so als würden die Menschen garnichts tun. und ich fands einfach sehr interessant, das mal wirklich zu erleben. Und Steve is in der Hinsicht wirklich ein unglaublicher Mensch. Und hat eine tolle Einstellung. Warum etwas wegwerfen wenn man noch verwenden kann? Warum etwas wegwerfen wenn man es doch reparieren kann? Also, wenn er Sachen findet, die man noch verwenden kann oder leicht reparieren kann, fischt er diese raus, bringt sie auf Vordermann und behält es entweder selber oder verkauft es wieder. Und es ist unglaublich was er alles von der Müllhalde hat :D nahezu das gesamte Haus besteht aus Möbeln und Dingen aus der Müllhalde. Z.B. der Esstisch, der Ofen, die Mikrowelle, der Herd, der Mikroofen, der Fernseher, die Playstation, Stühle, Geschirr, Hüte, usw. Und ich hätte das nie erwartet als ich das Haus gesehen hab. Klar es schaut nicht neu aus, aber es schaut halt aus wie auf einer Farm die schon bisschen älter is. Wo alles diesen charmanten abgenutzten und liebevollen Stil hat. Und Uhren! wieviele uhren der liebe Steve vom Dump gerettet hat^^ oder Handies! Der hat n nicht schlecht funktionierendes und modernes Handy von der Müllhalde. und nicht nur eins, mehrere. Ich persönlich finde den Lebensstil einfach beeindruckend. und ich liebe die Einstellung "Warum wegwerfen wenn man es reparieren kann?", weil es einfach stimmt. Warum wegwerfen. Das meiste funktioniert ja noch. Ich denke, man muss vorsichtig sein, dass man nicht zusehr in den Lebensstil verfällt, dass vlt unvorsichtig Sachen weiterverwendet die allerdings wirklich für den Müll sind. Aber darum gehts hier ja nich, ne. Und Steve hat eindeutig n Händchen dafür, das alles zu reparieren. Findich mehr als nur intressant und super cool :)
Somit lässt sich der Aufenthalt und die Arbeit auch ganz gut beschreiben. Ich hab nicht sonderlich viel gearbeitet oder gemacht, eher viel Ruhe gehabt und das Leben genossen. Und ich war auch nur einmal am Donnerstag im Internet um zu schauen ob mein nächster Host mir irgendwas geschrieben hat. Internet braucht man nunmal nicht ständig, ne.
Am Dienstag haben Jan und Steve mich auf nen Segeltrip mitgenommen und es war mehr als einfach nur unglaublich cool :D hat bei mir die Liebe und das Interesse zum Segeln noch mehr entfacht als es eh schon war durch den lieben Daan. War wirklich schönes Wetter und fabelhafter Ausblick und etwas, was man nich als Touri machen kann :) deshalb wars vlt nochmal cooler :D wir sind dann zu nem Stran gesegelt, haben bisschen entfernt vom Festland angeankert und sind dann mit Kajaks bisschen rumgepaddelt. Ey große Liebe! Bin absolut nun auch ein Fan vom Kajaken. Was an sich bisschen traurig ist, dass ich das erst jetzt zu schätzen gelernt hab, nachdem ich zuhause wirklich die Gelegenheit gehabt hätte auf einem See rumzupaddeln oder sogar zu segeln. Da triffts die Aussage ganz gut: Manche Sachen lernt man nicht daheim, sondern woanders. Und ich lerne hier, woanders, eindeutig was ich daheim eigentlich habe. Und auch es wirklich wertzuschätzen. Einerseits negativ, dass ich das erst lernen musste, andererseits positiv, dass ich es endlich gelernt habe. Bzw. ein Schritt näher bin, das alles wirklich wertzuschätzen :)
Ansonsten war ich einen Nachmittag mal laufen und sonst hab ich entweder Blog geschrieben oder gelesen. Bei Jan und Steve war übrigens auch die Katze, die mich belästigt hat als ich den Eintrag über die Caretakerfarm angefangen hab zu schreiben :) Ich hab Inferno beendet und kann das nur nochmal wärmstens empfehlen. Ich weiß auch nich, aber ich find dieses Buch derart gut, ich könnt heulen! des is einfach ein meisterwerk. einfach super. danach hab ich ein Buch gefunden das hieß "The Sheep-pig". Ich, völlig begeistert, dachte das wäre eine Geschichte über ein Tier, das Halb Schaf, Halb Schwein ist. Als ich den Text auf der Buchrückseite gelesen hab dachte ich es handelt sich um ein Schwein das ein Schaf werden will. Also habe ich das Buch angefangen zu lesen. Ich wurde dann relativ bald eines besseren belehrt. es geht darum dass ein Schwein auf Schafe aufpassen will, wie ein schäferhund. ein Sheep-dog. Oder eben ein Sheep-pig. DER TITEL IS ABER AUCH IRREFÜHREND!
Hab ansonsten nichtwirklich Fotos, nachdem ich eher vor mich hingelebt hab, ohne mein elektronisches Zeug. also außer meinem iPod. den liebe ich wirklich mehr als innig, weil da teilweise musik drauf is die mich entweder total an zuhause erinnert oder mir erst jetzt bewusst wird wie super die musik eigentlich ist! Einziges Dilemma ist, dass ich die Musik löschen muss wenn ich neue drauftun will. Das ist nunmal das Problem mit itunes. ja, leuts, das leben is nunmal keine wunschfarm. oder ein Sheep-pig, das halb Schaf halb Schwein ist. nein. es ist meistens anders als man hofft oder wünscht.
Dennoch habe ich hier 2 Fotos für euch :)
| Das Haus und der Müllwagen :) |
| Das Gewächshaus. links, weiter unten is nochmal eins. |
| Ein echt schön blühender Baum vorm Haus :) |
Noch was tolles: ich fands wirklcih intressant mal zu sehen wie eigentlich ne Ananas wächst. Wie die Pflanze aussieht, was man so mit ihr macht und wie man sie erntet usw. Und das selbe mit Spargel. Und wer hätte es gedacht, ich bin fast der Meinung, dass Spargel gut schmeckt :D so wie eigentlich jedes Gemüse oder jedes Gericht das mir vorgesetzt wird. ich bin hier derart Alles-essend, Mama und Papa wären stolz auf mich. Hätte ich das als Kind schon gehabt, wäre vieles einfacher gewesen. Das ist gewiss.
Außer einem Abend, an dem ich total müde war weil ich vermutlich nen Sonnenstich hatte und nem anderen Abend an dem ich mit Steve ein Lagerfeuer gemacht habe, haben wir zu dritt immer einen Film angeschaut. War nicht wirklich kommunikativ, aber es hat dazu beigetragen, zu dieser total entspannten Stimmung. Allerdings eine wirklich seltsame Eigenart von Steve und Jan ist, wenn sie fernsehen und Werbung kommt, stellen sie immer auf stumm. Gäbe sinn für mich, wenn sie dann anfangen zu reden. aber oft machen sie einfach stumm, reden nichts, warten, und wenn der film weiter geht, dann wieder auf ton. Das produziert ne ganz komische Stille findich^^ aber jedem das seine.
Nun zum Punkt, der für mich vermutlich der absolute Höhepunkt war: Ich hab einen Sonnenhut von Jan und Steve als Abschiedsgeschenk bekommen :D total stylisch und unglaublich cool. Warum ich ihn bekommen habe? ich hab intelligenterweise mein Cappie im Hostel vergessen bei der Nina und hatte somit keinen Sonnenschutz für meinen kopf. allerdings ist es jedoch sinnvoll hier nen Hut oder sonst was zu tragen weil man sonst einen dieser lieben Sonnenstiche bekommt. ich glaub ich hatte letzte Woche meinen 5. Man lernt ja irgendwo doch nich dazu. also es war nie wirklich schlimm, aber ich habs gemerkt dass ich total müde war und schlapp und leichte kopfschmerzen. und wenn man dann viel wasser trinkt und bisschen rumliegt gehts einem weider wunderbar. deshalb: trage immer einen hut in neuseeland! aufjedenfall hatte ich eben keinen und Jan hat mir dann ne Box hingestellt und ich konnt mir einen raussuchen. den hab ich dann die ganze zeit getragen wenn ich draußen war und beim Abschied meinte Jan, dass ich ihn haben kann wenn er will, ich soll ja keinen Sonnenstich bekommen. Mein Herz machte einen derartigen Sprung <3 große große Liebe :) und woher war der hut? Natürlich von der Müllhalde.
Mir solls recht sein, ich hab nen Super Hut und bin Sonnengeschützt.
Ihr wollt ihn eventuell sogar sehen? Extra für euch, hier, ein sensationelles Foto:
Aaaah, so sexy :D
Ich würd aufjedenfall gerne Jan und Steve nochmal besuchen, vlt eben kurz vor meiner Abreise aus Neuseeland, weil die beiden, die beiden sind echt cool. Also hoffe ich, ich kann meinen Plan auch wirklich verwirklichen :)
Am Samstag hat mich der liebe Steve dann nach Kaeo gefahren und meine Hitchhike-Reise begann nach Horeke, zu meiner nächsten Farm. Aber dazu wann anders mehr.
Danke fürs durchkämpfen :)
Auf wieder-lesen.